[Diese Seite ist Teil der Homepage www.bilderbein.de]
 
Aus meinem Bücherregal

Ihr Reiseplan: IC 2217


Fährt man mit dem Intercity oder mit dem IntercityExpress durch Deutschland, so findet man darin meist das Faltblatt "Ihr Reiseplan" am Sitzplatz vor.

Es zeigt die Aufreihung der einzelnen Wagen, so daß man Ruhezonen und die Bord-Gastronomie finden kann und sieht, wo die sich erste und wo sich die zweite Klasse befindet. Vor allem aber listet es den Lauf des Zuges mit den Ankunfts- und Abfahrtszeiten an allen Bahnhöfen auf, also den kompletten Weg des Zuges vom Abfahrtsbahnhof bis zum Zielbahnhof.

Mit Ausnahme des Abfahrtsbahnhofs und ggf. weiterer Bahnhöfe, an denen nur Zustieg möglich ist, bekommt man auch eine ausführliche Auflistung aller Anschlußzüge an den jeweiligen Bahnhöfen. Bei einem Zug, der den ganzen Tag unterwegs ist, kann so schon mal eine umfangreiche Dokumentation über viele Seiten zusammenkommen.

So ist es auch bei dem IC2217, mit dem ich im August 2015 unterwegs war: Bereits morgens um 07:04 Uhr ist er in Greifswald losgefahren, und abends um 18:33 Uhr kommt er in Stuttgart im Hauptbahnhof an. Auf dieser über 11 Stunden langen Fahrt von Greifswald nach Stuttgart kommt er unter anderem durch Stralsund, Velgast, Rostock, Schwerin und Hamburg, fährt südwärts über Bremen, Osnabrück und Münster ins Ruhrgebiet, wo er in schneller Folge die Nachbarstädte Dortmund, Bochum, Essen und Duisburg bedient, um dann über Düsseldorf und Köln an den Rhein zu fahren. Entlang der schönen Rheinstrecke über Koblenz und Mainz, Mannheim und Heidelberg geht es nach Baden-Württemberg, wo der Zuglauf im noch bestehenden oberirdischen Sackbahnhof von Stuttgart endet.

Ich war nur entlang eines kleinen Teils dieser weiten Strecke mit diesem Zug unterwegs, und doch entlang besonders interessanter Teile des Zuglaufs: In Köln über den Hohenzollernbrücke, in großem Bogen um Köln herum, schließlich nach Bonn näher dran an den Rhein, durch Koblenz und vorbei an der Loreley.

Vor dem Kölner Hauptbahnhof fährt der Zug über die Hohenzollernbrücke, eine der schwierigsten Stellen für die Koordinierung des Eisenbahnverkehrs in Deutschland, ein Nadelöhr, durch das viele Züge hindurchmüssen. Als Nachfolgerin der ursprünglichen Dombrücke wurde auch die Anfang des 20. Jahrhundert erbaute Hohenzollernbrücke auf die Hauptachse des Kölner Doms ausgerichtet, die dadurch entstehende Enge in der östlichen Einfahrt des Kölner Hauptbahnhofs macht Erweiterungen schwierig.

Dafür kann der Fahrgast, wenn er auf der in Fahrrichtung links gelegenen Seite sitzt, in der Rechtskurve bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof den Kölner Dom in seiner vollen Pracht bewundern.

Wie bei vielen Eisenbahnen in Deutschland inzwischen Standard, so ist auch der IC 2217 vollständig klimatisiert, was bedeutet, daß der fahrgast kein Fenster öffnen kann. Das Stehen am offenen Fenster, wenn der Fahrtwind bei 200km/h durch die Haare braust, das Photographieren der schnell vorbeihuschenden Außenwelt ohne Sichthindernisse, das habe ich immer sehr genossen. Doch nun bleiben Photo- und Filmkamera hinter der geschlossenen Scheibe.

Der Blick am den Kölner Dom, die zahlreichen Güter- und Verschiebebahnhofe in Köln (mit teilweise noch existierenden Drehscheiben), die Abstellgruppen, in denen ganze Wagengarnituren geparkt sind, die Fahrt entlang des Rheins durch diverse kleine Dörfer, der Zufluß der Mosel in den Rhein in Koblenz, der Blick zur gegenüberliegenden Rheinseite auf die Loreley, dem berühmten Felsen am Rheinkilometer 555 bei Sankt Goarshausen in Rheinland-Pfalz: All das kann nur noch durch eine schmutzige und reflektierende Scheibe wahrgenommen werden – doch es ist deshalb nicht minder interessant.

In den Ballungsräumen, besonders in Ruhrgebiet oder in Düsseldorf, blickt man vom Zug auf die Hinterhöfe der Häuserzeilen, man sieht die Balkone und Fenster, sieht Menschen Wäsche aufhängen oder im Wohnzimmer sitzen, blickt zwischendurch in kreuzende
Straßen, bevor die Bahn hinter dem nächsten Wohnblock vorbeizieht. Und überall wohnen Menschen. Menschen, die ich nicht kenne, deren Lebenssituation mir nicht bekannt ist, an Orten, die nicht identisch mit meiner Heimat sind.

Zu jedem Balkon, zu jedem Fenster gehören Menschen. Menschen mit ihren persönlichen Wünschen und Hoffnungen, mit Freude und Trauer, mit Sorgen und Problemen, mit Glück und Zuversicht.

Es ist eine lange Fahrt, selbst wenn man (sie wie ich hier) nur einen kleinen Teil des über 11 Stunden langen Wegs des Intercity 2217 mitfährt.

Man bekommt viel zu sehen: Die in die Höhe gebauten Häuser der Großstädt, die rustikalen Häuser in den Dörfern entlang des Rheins, deren Stromversorgung über Dachständer erfolgt, den Transport von Gütern auf der großen Wasserstraße Rhein, die zahllosen Bahnanlagen.

Insgesamt 26 Halte umfasst der Zuglauf des IC2217 (zumindest in der Zeit des Sommerfahrplans 2015, in der meine Zugfahrt stattfand und diese Aufnahmen entstanden), wozu auch kleinere Bahnhöfe wie etwa Ribnitz-Damgarten West, Bützow, Hamburg-Harburg, Wiesloch-Walldorf oder Vaihingen zählen. Doch auch hier existieren zahlreiche Anschlußzüge in verschiedene Richtungen, die im Faltblatt "Ihr Reiseplan" penibel aufgelistet sind.

In den großen Städten besteht meist Anschluß an anderen Fernverkehrszüge, also Intercity- und IntercityExpress-Verbindungen, zusätzlich diverse Gattungen von Nahverkehrszügen unterschiedlicher Betreiber, in einigen Städten wird auch die Verbindung zum jeweiligen Flughafen beschrieben.

In den kleineren Städten sind es meist nur Nahverkehrsverbindungen, sie bringen den Fahrgast in andere Stadtteile oder banachbarte Orte. Manchmal sind auch die Anschlüsse an örtliche Buslinien aufgelistet.

Hinzu kommen die Angaben für Ankunft und Abfahrt des Zuges selbst (also des IC2217) an den jeweiligen Halten, die Gleisnummern, und schließlich ist auch noch etwas Werbung abgedruckt.

So halte ich dann ein langes Stück Papier in der Hand, wenn ich dieses Werk ganz auseinanderfalte.

Und es ist gar nicht so einfach, es richtig wieder zusammenzufalten. Im Gegensatz zu einem Falk-Plan hat dieses Ding eben keine Patentfaltung, deren Systematik sich durch Beobachtung und logisches Denken erschließt. Statt dessen muß ich die Anordnung der Faltkanten und die Breite der einzelnen Seiten zueinander in Übereinstimmung bringen, um schließlich wieder ein glattes unzerknicktes Exemplar zu erhalten.

So habe ich am Ende eines langen Tages noch einige Zeit gebraucht, um dieses Papier wieder richtig zusammenzufalten. Ob ich es denn tatsächlich in meinem Bücherregal aufbewahre? Es steht ja leider nicht aufrecht wie ein richtiges Buch mit Rücken, und so wird es wohl zwischen Broschüren und Stadtplänen untergehen.

Verwandte Themen: Deutsche Fahrkarten, HVV-Fahrplan 1978, DB mobil 10/2015

Dieser Film ist bei dem Video-Dienst Youtube mit dem Code U5AQEeLMntM unter der Standard-Youtube-Lizenz verfügbar. Er kann also unverändert in Webseiten eingebettet werden, ähnlich wie er auf dieser Webseite eingebettet ist.

Zum Mitnehmen für das persönliche Betrachten unterwegs (also für die Offline-Wiedergabe, nicht zur Veröffentlichung) kann der Film hier auch als Video-Datei heruntergeladen werden:



— Webseite teilen oder weiterempfehlen — — Werbung ansehen —
facebookgoogle-plustwitterredditpinteresttumblrxinglinkedine-mail
— Link-Adresse kopieren —
— Diese Webseite diskutieren —
Diskutiere diesen Text auf Facebook
— Neuigkeiten abonnieren —
Auf Facebook folgenAuf Twitter folgen
 



[Abrufstatistik]  Nach oben  Homepage  Impressum & Copyright

  Adresse zum Setzen eines Links: http://www.bilderbein.de/ic-2217.html