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Aus meinem Bücherregal

Hamburger Verkehrsverbund: Fahrplan Sommer 1978


Nach langem Bohren und Nachfragen habe ich den Fahrplan des Hamburger Verkehrsverbunds im Jahr 1979 von meinen Großeltern bekommen. Ich war damals 10 Jahre alt und bin begeistert das U-Bahn- und S-Bahn-Netz Hamburgs abgefahren.

Mein Vater musste mich begleiten, obwohl ich als 10jähriger Junge schon alleine meinen Weg durch das Liniennetz gefunden habe - jedenfalls ist im Endeffekt mein Vater bloß hinter mir hergelaufen.

Der Fahrplan ist der Sommerfahrplan von 1978, so beinhaltet er noch die letzte Straßenbahnlinie von Hamburger, die Linie 2 von der Innenstadt nach Niendorf und weiter nach Schnelsen. Doch als ich ihn 1979 in den Hände hielt und interessiert darin geblättert habe, war die Straßenbahn in Hamburg bereits Geschichte: Man hatte sie zum Ende des Sommerfahrplans 1978 stillgelegt.

Auch die S-Bahn-Linie S10, die aus Poppenbüttel oder
Barmbek kommend in den City-S-Bahn-Tunnel einfährt und an den Landungsbrücken endet, gab es 1979 nicht mehr. Statt dessen hatte man die unterirdischen S-Bahn-Stationen Königstraße und Reeperbahn eröffnet.

Im Fahrplan von Sommer 1978 ist der Bahnhof Altona auch für die S-Bahnen noch ein reiner Kopfbahnhof - ein Zustand, dem meine Großmutter immer wieder hinterhergetrauert hat (weil sie sich in den unterirdischen S-Bahn-Anlagen in Altona nicht zurechtfand), den ich aber (zumindest bewusst) nicht mehr erlebt habe.

An die Zeit, als die Züge der S-Bahn-Linie S3 nach Hamburg-Harburg gewöhnliche Nahverkehrszüge mit Silberlingen waren, kann ich mich dagegen noch gut erinnern, auch wenn ich dies damals als 10jähriger begrifflich wohl nicht so ausgedrückt hätte.

Es ist fast schon ein Wunder, daß dieser Fahrplan bis heute so gut erhalten ist und keine Seite fehlt, wo doch damit jede einzelne Fahrplanseite eine Perforation besaß, an der man sie heraustrennen und bequem mitnehmen konnte. Ich habe den Plan gut gehütet und ihn auch als 10jähriges Kind nicht auseinandergenommen, sondern als wertvolles Exemplar an mich genommen und verwahrt.

Lediglich eine Sache hat meine Gedanken beflügelt und mich veranlasst, Eintragungen in dem Plan vorzunehmen: Die Zeichnung
der Linienbänder im Schnellverkehrsplan. Unabhängig von der tatsächlichen Höhenlage der Gleise sind die Linien an den Kreuzungsbahnhöfen in einer bestimmten Reihenfolge aufeinandergezeichnet.

So liegt etwa das blaue Linienband der U1 unter allen anderen Linienbändern untendrunter, während das gelbe Linienband der U3 auf allen anderen obendrüber gezeichnet ist.

Welche Sinn diese seltsame Reihenfolge hatte, bei der die Linien U1 und U2 unten liegen, alle S-Bahn-Linien darüber, aber schließlich die U3 auf allen anderen U-Bahn- und S-Bahn-Linien obendrauf, erschloß sich mir nicht und hat mir vermutlich als neugieriger 10jähriger Junge einige schlaflose Abende bereitet. Doch auch heute in der Rückbetrachtung ist für mich die Frage nach dem Sinn dieser Reihenfolge immer noch offen.

Neben den Schiffen im Hafen, z.B. der Linie 62 von den Landungsbrücken nach Finkenwerder, beinhaltet der Sommerfahrplan von 1978 auch drei Schiffahrtslinien auf der Alster, z.B. vom Jungfernstieg zum Alsteranleger Saarlandstraße in Barmbek.
Im Nachhinein bedauere ich, meine Eltern oder Großeltern nicht auch aufgefordert zu haben, mir mit auf diesen Linien über die Alster zu fahren. Doch zu sehr war wohl mein Interesse als kleiner Junge auf den Schienenverkehr fixiert.

Erst später, als die Linienschiffahrt des Hamburger Verkehrsverbunds auf der Alster längst eingestellt war, habe diese überhaupt wahrgenommen – nämlich in den Ausdrücken des Bedauerns meiner Großmutter. Sie sprach häufig davon, daß man zunächst für die Schiffe den Zuschlag wie für 1. Klasse und Schnellbusse verlangt hätte, um sie dann ein Jahr später ganz aus dem Gemeinschaftstarif des Hamburger Verkehrsverbunds herauszunehmen und danach mangels zahlungswilligen Fahrgästen ganz einzustellen.

In der Zeitung "Hamburger Abendblatt", die meine Großmutter abboniert hatte, wurde in den 1980er-Jahren immer wieder die Diskussion aufgegriffen, die Schiffahrtsverbindung zum Alsteranlager Saarlandstraße in Barmbek wieder zu eröffnen.

Eine Wiedereröffnung von Schiffahrtslinien auf der Alster zum normalen Verbundtarif hat es allerdings nicht gegeben. Die Schiffe und Fähren im Hafen dagegen können weiterhin mit derselben Fahrkarte wie für Busse und Bahnen benutzt werden.

Der in diesem Fahrplanbuch am Ende enthaltene Abfahrtsplan der damaligen Deutschen Bundesbahn für die Hamburger Fernverkehrsbahnhöfe gewährt heute einen Blick in eine längst vergangene Zeit: Es gab noch Intercity-Züge, die nur die erste Klasse führten, Post- und Gepäckzüge mit Personenbeförderung, D-Züge und Eilzüge.

Besonders angetan hatten es mir darüberhinaus auch die Formulierungen der Tarifbestimmungen und der Beförderungsbedingungen. Diese juristisch formalen Abhandlungen mit ihren streng logischen Formulierungen sind für mich auch heute noch faszinierende Texte.

Verwandte Themen: Ihr Reiseplan: IC 2217, Zwei Bahnunternehmen, Fahrkarten in Deutschland

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