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Aus meinem Bücherregal

Der große Herder 1954: "Fernsehen"


Seitdem ich lesen kann, fasziniert mich in meinem Elternhaus das Lexikon "Der große Herder" aus dem Jahr 1954.

Es ist ein großes Universal-Lexikon in 10 Bänden, was einen interessanten Einblick in den Stand von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik in der unmittelbaren Nachkriegszeit gibt.

Der Herder-Verlag hat eine lange Historie: Gegründet im Jahr 1801, veröffentlichte er 1825 erste Bildergelerien zu Enzyklopädien und schließlich im Jahr 1854 die erste eigene Enzyklopädie unter dem Namen "Herders Conversations-Lexikon".

Doch diese Historie war mir als Kind egal, vielmehr faszinierten mich die Artikel in der vorliegenden Ausgabe von 1954, die vielfach wie aus einer komplett anderen Welt scheinen.

So war die politische Lage und die deutsche Sichtweise auf die Länder der verschiedenen Kontinente noch eine ganz andere als heute, vor allem aber war es die technische Situation, die mein Interesse weckte.

Vor allem wird dies deutlich an dem Lexiskoneintrag zu dem Stichwort "Fernsehen". Zwar hatte es bereits in den 1930er-Jahren Fernsehübertragungen in Deutschland gegeben, die breite Masse erreicht die Technik des Fernsehens aber erst in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Und so war in den 1950er-Jahren das Fernsehen in Deutschland ein sehr neues Medium.

Das Lexikon geht auf die Technik des Fernsehens mit seiner klassischen Zeilenabtastung und der Wiedergabe mit Hilfe der Elektronenstrahlröhre ein, es bezeichnet die Fernsehtechnik als weitgehend ausgereift.

Doch besonders bemerkenswert aus heutiger Sicht ist die Einordnung des Mediums Fernsehen in den gesellschaftlichen Kontext. So berichtet das Lexikon von einer Vereinnahmung des Zuschauers durch die neue Bildübertragung.

Es befürchtet schädliche Auswirkung auf die soziale Interaktion des Einzelnen und beruft sich dabei auf Erfahrungen aus Amerika, wo schon seit längerem mehrere Fernsehprogramme zu empfangen waren.

Liest man diesen Eintrag der Enzyklopädie mit dem heutigen Wissen, so könnte man doch glatt denken, es ginge um das Internet:

Die damals gegenüber den Fernsehen geäußerten Befürchtungen lassen sich fast wörtlich auf die Angebote im heutigen Web übertragen. Auch dieses bringt dem Teilnehmer die Vielfalt der ganzen Welt direkt in die Wohnung, so daß er sich nicht mehr nach draußen begeben muß.

Und auch die empfohlenden Maßnahmen gegen die Gefahren des Fernsehens, gemeint ist die Beschränkung des Konsums dieses neuen Mediums, kommen einem seltsam bekannt vor. So zeigt sich sehr deutlich, daß neue Medien zu allen Zeiten Argwohn und Skepsis ausgesetzt waren.

Die interessantesten Passagen aus dem Text lese ich in meinem Video vor. Man kann sich heute darüber amüsieren, doch den Verfassern war es damals durchaus sehr ernst.

Verwandte Themen: Das neue Dortmund, Elektrifizierung in Westfalen, Pride Telecom

Dieser Film ist bei dem Video-Dienst Youtube mit dem Code oybVIqTSE2g unter der Standard-Youtube-Lizenz verfügbar. Er kann also unverändert in Webseiten eingebettet werden, ähnlich wie er auf dieser Webseite eingebettet ist.

Zum Mitnehmen für das persönliche Betrachten unterwegs (also für die Offline-Wiedergabe, nicht zur Veröffentlichung) kann der Film hier auch als Video-Datei heruntergeladen werden:



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